Immobilien und Facility Management
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Rückblick auf den 10. IFM Kongress

Ganzer Bericht mit Fotos zum Download: 10. IFM Kongress

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Podiumsdiskussion mit DI GLEISSNER, BIG, DI STADLER, UBM, HANKE, Deutsche Bahn

Dr. Klaus SCHIERHACKL, Vorstand ASFINAG AG (AUT) und Prof. REDLEIN

Networking

Die zwei Welten des FM: Die FMer, die sich klassisch rein um die Technik kümmern, bleiben in der Kostensenkungsspirale. Die, die sich mit den neuen Trends (Arbeitswelten und Digitalisierung im Betrieb) beschäftigen, werden immer wichtiger für das Top Management und dürfen investieren

Das IFM hat schon vor 7 Jahren das Thema Workplace Management als wichtigen Trend im FM beim Kongress platziert und viele haben das belächelt, heute ist es das Thema auf allen internationalen Kongressen und verhilft FM zu einer ganz anderen Reputation. Natürlich widmen wir uns weiter diesem Thema, aber Digitalisierung wird die Branche unserer Meinung nach ebenfalls stark prägen.

Der 10. IFM Kongress an der TU Wien gab in vieler Hinsicht Grund zum Feiern. Bei den meisten FM Veranstaltungen klagt die Branche, dass nur Kosteneinsparung im Fokus steht. Dass dies nicht mehr der Fall sein muss, zeigt der 10. IFM Kongress an der TU Wien.

Die Digitalisierung ändert nicht nur das Kerngeschäft. Im Bereich Immobilien bedeutet das einerseits neue Arbeitswelten und andererseits Effektivitätssteigerung im Betrieb

Neue Arbeitswelten zur Mitarbeiterbindung und -motivation

Als 2007 der erste IFM Kongress stattfand, lag das Hauptaugenmerk im FM auf Kosteneinsparungen. Nun im Jahr 2017 wurde schon beim ersten Block New Ways of Working und Neue Arbeitswelten deutlich, dass sich der Schwerpunkt gewandelt hat. Die Mitarbeiterzufriedenheit und ihre optimale Unterstützung stehen im Mittelpunkt des Top Managements. Dr. Klaus SCHIERHACKL, Vorstand ASFINAG AG will durch die neuen Bürowelten nicht nur Mitarbeitereffizienz steigern sondern auch die Bindung des Personals an das Unternehmen und Innovation fördern. Zusätzlich soll auch die Mitarbeitergewinnung unterstützt werden. „Der neue zentrale Bürostandort soll das Arbeitsklima und die interne Kommunikation fördern und die neue Unternehmenskultur verkörpern.“

Andreas ROHREGGER, GE Global Properties nutzt die neuen Arbeitswelten ebenfalls um Innovation voran zu trieben und als Teil des Change Managements. „GE zeigt damit die neue innovative Kultur. Arbeit ist kein Ort, Arbeit ist eine Erfahrung.“, so Andreas Rohregger.

Dr. Bernhard HUPPMANN, Partner Deloitte GmbH geht noch einen Schritt weiter. Er geht mit seinem neuen Standort „auf die Mitarbeiter“ zu. „Wir verlegen den Standort dorthin, wo unsere Mitarbeiter leben“. Seine Ziele sind vor allem optimaler Ausgleich zwischen der persönlichen Arbeitswelt und der Standortfrage sowie eine funktional aufgebaute Arbeitswelt statt konventioneller Strukturen. „Nicht die Mietkosten stehen im Vordergrund sondern die Mitarbeiter-Bindung. In den letzten zwei Jahren ist die Fluktuation in diesem Bereich bei Null“. Diese Statements zeigen, dass FM heute mehr ist als Kosteneinsparung. Es hilft das volle Potential der Mitarbeiter zu nutzen und den Vorgesetzten den Aufwand durch Mitarbeiterwechsel wesentlich zu verringern.

Zugleich steigt aber der Bedarf nach Services. Die höhere Belegung im Büro durch die neuen Arbeitswelten und die neue Nutzung (sprich man geht ins Büro um zu kommunizieren und nicht um konzentriert zu arbeiten) benötigen Services rund um die Uhr. Wie kann FM das ohne Mehrkosten ermöglichen?

Digitalisierung bedeutet nicht nur Effizienzsteigerung sondern neuartige Prozesse

Digitalisierung sprich neue, effektivere Prozesse im Betrieb durch den Einsatz neuer Technologien sind ein geeigneter Lösungsansatz. Das zeigte die Podiumsdiskussion mit DI Wolfgang GLEISSNER von der BIG (AUT), DI Claus STADLER von UBM Development AG (AUT) und Bernd HANKE von Deutsche Bahn DB Station & Service AG. Vor allem DB Service setzt schon verstärkt neue Technologien ein. Die Deutsche Bahn unterstützt barrierefreies Reisen. Es gibt jetzt eine Bahnhof live-App, wo Kunden in Echtzeit sehen können, welche Aufzüge funktionieren. Das geht nur mit neuen Technologien wie Sensortechnik und IoT. In Berlin wird gerade Machine Learning bei Kamerasystemen eingesetzt, um Personen automatisch zu erkennen. Freiwillige unterstützen die Optimierung des Systems, in dem sie auch einen GPS Empfänger bei sich tragen und so das System erkennt, wann die Person im Gebäude war und ob sie erkannt wurde. Hanke meint, „ohne diese Technologie kann DB Service die verlangte Verfügbarkeit von 97% nicht erfüllen. IoT und AI ermöglichen das Ziel mit vertretbaren Mitteln zu erreichen“.

Die Austeller präsentierten ihre Innovationen und den ROI. Nicht nur Proptech Unternehmen können Neuerungen liefern, viele Innovationen gibt es schon, man muss sie nur nutzen.

Einige Beispiele gefällig: Ein Einbruchsensor kann auch verwendet werden, um die Öffnung des Schaltkastens im Allgemeinbereich von Mietshäusern zu überprüfen. Wenn der Schaltkasten nicht geöffnet wurde, kann der FI Schalter auch nicht überprüft worden sein. Ein zweiter Anwendungsfall ist statt Sensoren zu kaufen, werden nur die Messdaten bezahlt. Statt CAPEX also Investitionen muss nur der Betrieb OPEX bezahlt werden. IoT hat insgesamt den Vorteil, dass die Geräte direkt mit den Betriebspersonal kommunizieren können. Zwei Gebäudeautomatisierungsfirmen bieten bei Verwendung ihrer Technologie eine gratis Visualisierung der Anlagen an. Im Servicefall kann zusätzlich einfach direkt der Techniker verständigt werden. Das kann die CAFM Branche regelrecht revolutionieren.

Das neue Vergabegesetz

Auch mit einem weiteren Vorurteil wurde aufgeräumt. Dr. Michael FRUHMANN machte deutlich, dass das neue Vergabegesetz eindeutig das Best-Bieterprinzip unterstützt. Weitere Neuerungen sind, die Notwendigkeit, dass alle Ausschreibungsunterlagen elektronisch schon zu Beginn des Verfahrens verfügbar sind. Auch hier zeigt die Digitalisierung in Form der E-Vergabe die ab Oktober 2018 im Oberschwellenbereich verpflichtend aber auch in anderen Bereichen anwendbar ist, seine Auswirkungen. Die technische Struktur wird Herausforderungen stellen.

Gibt es noch einen Unterschied zwischen Eigentum und Miete: IFRS 16 ändert die Regeln

Mit dem neuen IFRS 16 Standard zur Leasingbilanzierung kommt eine weitere drastische Veränderung auf die „Mieter“ zu. Dipl.Kfm. Marius DREISBACH, PwC Österreich machte deutlich, dass der neue Rechnungslegungsstandard den Unterschied zwischen Miete und Eigentum fast verschwinden lässt, da nun Firmen, die diesem Standard unterliegen, auch das Nutzungsrecht in ihren Anlagenspiegel aufnehmen müssen. Erste Unternehmen ändern daher schon ihre Strategie und setzen auf Eigentum statt Lease and Sales Back.

Die guten Weltwirtschaftlichen Aussichten von Dr. Valentin HOFSTÄTTER, Leiter Market Strategy & Quant Research, Raiffeisen Bank Int. AG mit einem relativ hohen weiteren Wirtschaftswachstum und zumindest für ein Jahr geringen Zinsaussichten rundeten einen positiven Tag ab.

Beim Galadinner verkündeten BIG und das IFM der TU Wien, dass sie ein Forschungsprojekt zur praktischen Umsetzung von Digitalisierung im Gebäudebetrieb planen. Es sollen verfügbare Lösungen auf ihren ROI untersucht werden, um so effektivere Prozesse in der Praxis zu testen und zu validieren, welche Lösungen eine Optimierung der Qualität und Kosten ermöglichen. Ebenfalls wurden das IFM und die REUG der offizielle WE Hub für Österreich.

Co-working und Well-Being die nächsten Trends im FM

Am nächsten Tag zeigten Pat Turnbull und Chris Hood, dass Co-Working kein kurzfristiger Trend ist. Da immer mehr Personen Einzelunternehmer sind bietet ihnen diese Büroform nicht nur einen Arbeitsplatz sondern auch Möglichkeit sich zu vernetzen. Und diese Büroform wächst äußerst stark. Gerade Start-Ups nutzen diese Büroform gerne, da sie ihnen ein Sorglos Paket bietet und sie sich auf den Aufbau ihres Unternehmens konzentrieren können. Laut Chris Hood haben „45 % der Nutzer schon Aufträge durch das Netzwerk erhalten und 39 haben aus dem Netzwerk Mitarbeiter gefunden. Es fördert das Netzwerk und erhöht die Produktivität. Die Büros sind einfach aber bieten eine Community, die gemeinsam Probleme löst.“ Die beiden Vortragenden zeigten, dass auch in den USA immer mehr auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter wert gelegt wird und sogar eigene Standards dafür schon entwickelt wurden. Er umfasst die Bereiche Luft, Wasser, Licht, Ernährung, Fitness, Komfort und „Mind“. Denn Arbeitsplätze nehmen Einfluss auf die Produktivität (bis zu 7% Steigerung sind möglich), die Mitarbeiterzufriedenheit, die Abwesenheitsquote und die Gesundheitskosten und ermöglichen Vernetzung.

Danach hatte die Wissenschaft das Wort. Julia AYUSO SANCHEZ, Sergio VEGA SANCHEZ validierten die Aussagen ihrer Vorredner, dass natürliches Licht am Arbeitsplatz und Grünpflanzen die Performanz von Mitarbeitern verbessern können. Zwei Vorträge aus der Schweiz beschäftigten sich mit dem Gesundheitswesen und der Bedeutung von Sicherheit in diesem Bereich. Sie stellten auch neue Catering Modelle vor, die nicht nur besser Patientenwünsche erfüllen, sondern auch Kosten und Abfall sparen können.

Der 10. IFM Kongress zeigte, dass die Vorstände und Geschäftsführer FM heutzutage viel mehr als Möglichkeit sehen neue Mitarbeiter einfacher anwerben zu können und bestehende an das Unternehmen zu binden und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, als es rein auf Kosteneinsparung zu reduzieren. Auch zeigte sich, dass Digitalisierung nicht nur durch PropTech möglich ist, sondern viele Lösungen schon jetzt zur Effektivitätssteigerung eingesetzt werden können. Die Betonung liegt auf Effektivität sprich auf die Nutzung neuer Technologien, um neue Abläufe zu ermöglichen. Das bringt nicht nur dem Dienstleister Vorteile sondern auch dem Kunden. Reine Effizienzsteigerung reicht nicht mehr, sonst endet man im Kostenwettbewerb ohne Differenzierung zu den anderen Anbietern. Damit die Facility Manager diese Möglichkeiten nutzen können, müssen sie aber ihren Komfortbereich verlassen und sich mit den neuen Themen neue Arbeitsplatzwelten und Digitalisierung beschäftigen und nicht nur die Technik und Kostensenkung im Fokus haben.

 

Kontakt:
Eva Stopajnik

eva.stopajnik@ifm.tuwien.ac.at