Visual Culture Unit
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Visuelle-Kulturen_w
Bild: Mörtenböck - Istanbul Topkapi

Ao.Univ.Prof. DI Mag. Dr. PETER MÖRTENBÖCK
LVA: 258.024 Visuelle Kulturen VO 2.0h

Netzwerke sind die prägende Gestalt räumlicher Organisation des 21. Jahrhunderts: Sie dominieren die heutigen Strukturen von kultureller, ökonomischer und militärischer Macht. In dieser Lehrveranstaltung untersuchen wir Netzwerke als Organisationsform, als Politik des Operierens und als Prozess des Erzeugens und Akkumulierens. Auf allen diesen Ebenen rücken Netzwerke die Beziehungen zwischen Objekten in den Vordergrund, und nicht Objekte selbst. Die konfliktreichen Ströme an Waren, Menschen und Informationen und die gleichzeitigen Wucherungen an Sonderzonen, Kontrollgebieten und Gated Communities zeigen, dass wir nicht länger von einer Ablöse räumlicher Organisationsformen oder einer Dichotomie zwischen Territorium und Netzwerk ausgehen können. Die mit einer Untersuchung von Netzwerken verbundene Herausforderung liegt vielmehr darin, der strategischen Allianz zwischen beiden Formen nachzuspüren, Politiken der Expansion von Macht aufzuzeigen und im Wirken dieser Politiken nach Handlungsräumen zu suchen. Wie sehen im Speziellen die Verstrickungen von Kunst, Architektur und Politik aus, die sich in Netzwerken bilden? Welche Kräfte können diese Begegnungen freisetzen und welche Chancen geben sie der Bildung selbstbestimmter Handlungsweisen und Kollaborationen? Welche Freiräume können sich also inmitten einer alles umfassenden Netzwerksituation entwickeln und wie verhält sich solche räumliche Kreativität zur Situation von künstlerischer und architektonischer Produktion?

In der Lehrveranstaltung untersuchen wir diese Fragen entlang der vier Themenfelder Network Creativity, Contested Spaces, Trading Places und Parallel Worlds: Zum einen über eine Diskussion von Videoaufzeichnungen aktueller Gespräche mit TheoretikerInnen, KuratorInnen, KünstlerInnen und ArchitektInnen wie Eyal Weizman, Stefano Boeri, Irit Rogoff, Marjetica Potrc, Kyong Park, Florian Schneider, Ursula Biemann, Ricardo Basbaum oder Vasif Kortun. Zum anderen über eine Reihe von Diskussionen mit eingeladenen Gästen im Rahmen der internationalen Forschungsplattform Networked Cultures.

Begleitende Literatur: Mörtenböck/Mooshammer (eds.) Networked Cultures: Parallel Architectures and the Politics of Space. NAi Publishers, Rotterdam (2008).



Ausstellung: NETWORKED CULTURES 

10.Oktober - 11.November 2008 im OPEN SPACE | Zentrum für Kunstprojekte, Lassingleithnerplatz 2, 1020 Wien
Eröffnung: 9.10.2008; 19:00 Uhr
Projekt Kuratoren: Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer
Teilnehmende Künstler: Judith Augustinovic, Ursula Biemann, hackitectura.net
Film von: Peter Moertenboeck and Helge Mooshammer

Ob in Gestalt transnationaler Politik, globaler Ökonomien, neuer Technologien oder urbaner sozialer Bewegungen: Netzwerke sind zur mächtigsten Figur geworden, über die wir die Organisation unserer Welt denken. Netzwerke haben die Formen kulturellen Zusammenlebens und Kommunizierens ebenso verändert, wie die Art in der wir Räume produzieren und erfahren.

In Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen ist aus dem Kunst- und Architekturschaffen der letzten Jahre eine neue Form von Praxis hervorgegangen, die sich auf kollektives Produzieren, prozessgeleitetes Arbeiten und ein Agieren in transversalen Projektplattformen stützt. Eine solche ‚disziplinlose’ Praxis der unaufgeforderten Einmischung in räumliche Zusammenhänge macht das dysfunktionale Regelwerk geplanter räumlicher und kultureller Beherrschung lesbar und spannt eine Bahn auf, die inmitten der politischen Bemühungen dieses Versagen zu verbergen, neue Formen der Zirkulation erzeugt. Sie nimmt existierende Netzwerke in Gebrauch, erweitert und verändert sie, lässt neue Kreisläufe entstehen und skizziert damit eine mobile Geographie der selbstbestimmten Inanspruchnahme von Raum und Kultur.

Die Ausstellung Networked Cultures will diese Entwicklung weder als eine geschlossene Bewegung darstellen noch innerhalb der Besonderheiten eines bestimmten geographischen oder institutionellen Kontexts lokalisieren. Viel mehr interessiert uns ihre Nähe zu einer Fülle anderer selbstautorisierter Strukturen, egal welchen Maßstabs – jene von Graumärkten, informellem Handel, alternativen Ökonomien und migratorischen Praxen ebenso wie die unzähligen nebensächlichen und schwer wahrzunehmenden Versuche von selbstbestimmter Soziabilität inmitten der globalen Umgestaltung unserer Lebensräume.
www.networkedcultures.org

networkcult_picBuchpräsentation und Podiumsdiskussion

Mittwoch 22.10.2008, 19:00, Architekturzentrum Wien, Eintritt frei

Podium: Emiliano Gandolfi, Margarethe Makovec, Doris Burtscher, Gülsen Bal

Moderation: Peter Mörtenböck und Helge Mooshammer