Visual Culture Unit
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Mag. ELKE KRASNY
LVA: 264.012 Architektur- und Bildwelten VO 2.0h

BILDUNGS-RÄUME, PROTEST-BEWEGUNGEN, PAUSEN-ZEICHEN

Bildungs-Räume: Effektiv wissensbalanzierend, workloadgerecht und evaluationseuphorisiert folgt die Formation zeitgenössischer Bildungsvorstellungen ökonomischen, neoliberalen Paradigmen. So stellt sich die Frage, wie diese Bildungsideologien kurzfristig und langfristig die Architekturen und die Räume der Bildung selbst transformieren und überformen. 

Ob Akademie (dem zum philosophischen Garten transformierten Olivenhain) oder Campus (dem Feld, das Universität, Lehre und Forschung, Wohnraum für Lehrende und Studierende und Grünraum kompakt miteinander verbindet), sind es spezifische, sozialhistorisch begründete und ideengeschichtlich kontextualisierbare Raumformationen, die Bildungsideologien physisch implementieren und transportieren. Proteste und Analysen lassen Bildungsräume in ihren Besetztheiten deutlich werden: Teach-In, Edu-Factory. 

Protest-Bewegungen: Ausgehend von der von Eva Egermann und Elke Krasny kuratierten Ausstellung "2 or 3 Things we've learned. Intersections of Art, Pedagogy and Protest" wird der Versuch unternommen, eine kritische Raum-Ideengeschichte von Bildungsräumen und ihren Formationsprogrammatiken zu entwickeln. 

Künstlerische Projekte, wie "Reformpause" von Marion von Osten oder Positionen, die in dem von Paul O'Neill und Mick Wilson herausgegebenen Band "Curating and the Educational Turn" vertreten sind, werden auf ihre raumwirksamen Strategien und raumanalytischen Interventionen und Überlegungen hin untersucht. 

Welche Räume der Bildung stehen für welche Bildungskonzepte und welche Bildungsformationen? Wie drückt das Bildungs-Raumprogramm Programmatiken von Bildung aus und formiert die Bewegungen, die Haltungen und die Bewegungen von Lehre und Lernen mit? 

Pausen-Zeichen: Aus den ideengeschichtlichen und kulturanalytischen Untersuchungen der Formationen von Bildungsräumen wird ein Raum extrapolierend herausgeschält, der im Alltag von Lehre und Lernen gleichzeitig die Unterbrechung und die Fortsetzung dieses Alltags bedeutet, der Raum der Pause. 

Die Verhältnisse dazwischen sind ambivalent und hybrid. Resträume, wie das Rundum von Kopierern, Kaffeeautomaten oder Aschenbechern, fungieren als angeeignete und selbstorganisierte Begegnungszonen, in denen der Rückzug erprobt wird, neue Ideen produziert werden. Power-Napping wird als leistungssteigernde Zwischenzeit mitgeplant. 

Wie lässt sich dieser Raum zwischen informeller Begegnungssituation, persönlichem Rückzug und effizienzsteigernder Erfrischungssituation heute begreifen und entwerferisch als Bildungssituation mit-be-denken?

Ziele der Lehrveranstaltung:
Gruppenthemen zu Fragen von Bild und Architektur sollen ein vertieftes Verständnis zur Interaktion zwischen dem Allgemeinen und dem Spezifischen, dem Theoretischen und Empirischen erzeugen. 
Kritische Raumanalysen von "Bildung" und "Pause" in Räumen der Bildung; Verhältnisse zwischen Ideologien, Ideen, Vorstellungen und Werthaltungen von Bildung und von Raumformationen; Bildung als Raumpraxis; die Rolle von Architektur als Erzeugungsmodus sozialer Beziehungen; die Transformation von Raum durch das intervenierende Da-Zwischen: Wie kann dieses transformativ bleiben? Wie kann man neue Pausen-Zeichen Raum werden lassen? Welche Räume der Pause könn(t)en inmitten des neoliberalen Bildungsumbaus im real-baulichen wie gleichzeitig im metaphorisch-ideellen Sinn andere Räume von informeller (Selbst)Bildung entstehen lassen? 
Die Lehrveranstaltung verbindet Vorlesung, Diskussion, Ausstellungsbesuch, Exkursionen und Projektpräsentationen der Studierenden und versucht, einen produktiven Wissenstransfer zwischen den räumlichen Alltagserfahrungen der Studierenden, künstlerischen Methoden, kuratorischer Praxis, kulturanalytischer Perspektivierung und neuen raum-bildenden Vorstellungen zu erzeugen.

Ort: 
Seminarraum 2, Institut für Kunst und Gestaltung – TU Wien, Karlsgasse 11, 1040 Wien

Zeit: 
5 Blocktermine: jeweils Mo 10-14 Uhr: 11.10.2010, 18.10.2010, 25.10 2010, 06.12.2010 und 13.12.201

 

 

Bilder der Pausensackerl