Visual Culture Unit
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3 Visuelle Kultur der Stadt | LVA: 264.094

Foto: Helge Mooshammer

Dr. HELGE MOOSHAMMER
LVA: 264.094 Visuelle Kultur der Stadt VU 2.0h/2,5ECTS

TERMINE / ORTE: 

Di, 14. Oktober 2014, 16-20 Uhr
Di, 21. Oktober 2014, 16-20 Uhr
Di, 4. November 2014, 16-20 Uhr
Di, 25. November 2014, 16-20 Uhr
Di, 2. Dezember 2014, 16-20 Uhr
Di, 16. Dezember 2014, 16-20 Uhr 
Ort: Seminarraum 2 (Karlsgasse 11) 

CROWD-SOURCED URBANISM 

Als neues Modell der Finanzierung von künstlerischen und architektonischen Projekten scheint Crowdfunding/Crowdsourcing – die Peer-to-peer-Finanzierung von kreativem Schaffen – einen entscheidenden Schritt in Richtung Unabhängigkeit in vielen Bereichen der städtischen Raumproduktion zu signalisieren. Finanzierungsprozesse werden weitaus direkter an die Gestaltung und Produktion von Räumen gebunden und kreatives Arbeiten unmittelbar mit sozialen Netzwerken verknüpft. Nach einem äußerst erfolgreichen Start in der Kunstproduktion ist Crowdfunding nun in viele Bereiche unseres Lebens  vorgedrungen: von städtischen Infrastrukturen und Umweltprojekten bis zur Finanzierung universitärer Forschung und Investitionen in die Ausbildung und Karriere von einzelnen Personen (‚human capital contracts’). Mit dieser Entwicklung stellen sich zahlreiche Fragen: Sichert dieses Modell wirklich die Unabhängigkeit kreativen Schaffens von etablierten Institutionen und Wirtschaftsinteressen oder stellt es nicht einfach eine Fortsetzung der zunehmenden Privatisierung und Finanzialisierung öffentlicher Bereiche dar? Welche Auswirkungen hat dies auf Inhalt und Form von architektonischer und städtischer Gestaltung? Trägt diese Verknüpfung von finanzieller und gestalterischer Teilnahme nicht nur zu einer schleichenden Entdemokratisierung und zunehmenden Segregation in unserer Gesellschaft bei, sondern begründet dies auch eine neue Art von Kapital? 

 

Indem wir die Strukturen und Entwicklungen von verschiedenen Crowdfunding-Projekten in Wien und anderen Städten untersuchen, beschäftigen wir uns mit Veränderungen der ‚ökonomischen Organisation’ von Architektur- und Stadtproduktion, insbesondere damit, wie in den vergangenen Jahren Finanzierungsmodelle ein wichtiger Apparat zur Gestaltung unsere Beziehungen geworden sind, indem sie unterschiedliche Formen von Kapital – ökonomisches, soziales, kognitives und affektives – effizient miteinander zu vermischen verstehen. Um ein Bild dieser Entwicklung zu zeichnen, werden wir Recherchen und Analysen zu den von uns untersuchten Projekten auf einer Online-Plattform zusammenstellen und (im Dezember) mit Studierenden des Londoner Goldsmiths College gemeinsam diskutieren.  

Diese Lehrveranstaltung wird im Wintersemester 2014/15 gekoppelt mit der Vorlesung „Gegenwartskultur“ (P. Mörtenböck) abgehalten.